MVG, ohweh ohweh. Eine Intervention.

Liebe MVG, das ist eine Intervention. Weil so geht’s nicht weiter.

Du verkaufst uns täglich einen Trabi zum Preis eines Bentley. Du präsentierst Dich als Lufthansa, behandelst Deine Gäste aber wie Ryanair. Du gibst Dir den Anstrich von Dubai und erfüllst dabei die Ansprüche von Bitterfeld.

Deine Verspätungen sind so zahlreich wie die Pickel eines pubertierenden aknekranken Schuljungen, Deine Entschuldigungen dagegen so spärlich gesät wie die Heimsiege des HSV in der letzten Saison: Fahrzeugstörung, Fahrwerksstörung, Stellwerksstörung.

Irgendwas ist ja immer: Messe, Wiesn, Starkbierfest, Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Wochenende, Feiertag oder – ganz arg – Werktag. Die Durchsagen zu den spürbar täglichen Verspätungen werden von den Fahrgästen schon gar nicht mehr wahrgenommen, warum auch: Verspätungen werden de facto ja auch nicht durchgesagt. Statt zu „Verspätungen“ kommt es zu nicht näher definierten „Abweichungen im Fahrplanablauf“ – und jeder, der sich in seinem Leben auch nur ansatzweise mit Statistik beschäftigt hat, weiß, dass das Ausmaß der Abweichung die eigentliche zentrale Information ist um einschätzen zu können, wie die Situation gerade ist. Ein Euphemismus, der Dich wahrscheinlich Deiner Meinung nach schützt, Dich aber tatsächlich jeden Tag aufs Neue unglaubwürdiger macht.

Das Schlimmste aber ist: All das macht Dir ganz offensichtlich nichts aus. Kein Wort der Entschuldigung. Keine Reaktion auf die verärgerten Kunden. Keine spürbare Veränderung der aktuellen Zustände. Du spielst mit dem Grundbedürfnis und –recht des urbanen Menschen auf öffentlichen Nahverkehr, als ginge es um ein irrelevantes Luxusgut. Wir Bürger aber sind abhängig von Dir. Du nutzt Deine Monopolstellung aufs Übelste aus. Überspitzt gesagt: Was Du hier machst, ist nicht weniger als Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Es geht hier nicht darum, ein perfektes System zu generieren. Verspätungen wird es immer geben, das ist klar. Aber jeder normale Mensch lernt aus seinen Fehlern, jedes System wächst daran. Bei Dir dagegen ist nichts davon zu spüren.

Als Kunde könnte ich sagen: Du kotzt mich zur Zeit ziemlich an.

Als Bürger dieser Stadt aber sage ich Dir: So kann es nicht weitergehen. Ändere was, bevor es zu spät ist.

 

Nachtrag, 25. März 2013: Als hätte die MVG diese Zeilen gelesen gab sie am Wochenende bekannt, ab Ende 2013 das Netz zu erweitern sowie die U2, Urheber meiner Frustration, von da an an Schultagen im 2-Minuten-Takt fahren zu lassen. Das hört man doch gerne.